Sachstandsbericht des Epfenbacher Gemeinderats zum Thema „schnelles Internet“

Das Thema „schnelles Internet“ ist seit Jahren ein Dauerbrenner in Epfenbach. Auch in der Gemeinderatssitzung am 15. November 2017 war dies wieder ein Diskussionspunkt in der Ratsrunde. Doch wie ist nun der Sachstand zu diesem Thema? Der Gemeinderat möchte zu den Fragen der Epfenbacher Bürgerinnen und Bürger die aktuelle Sachlage darstellen:

 

Sachstand 1: Telekom

Die Telekom dürfte bei den meisten Bürgern Epfenbachs der Kommunikationsanbieter Nummer 1 sein, da es zurzeit eigentlich keine Alternativen hierzu gibt. Zwar sind durchaus sogenannte „Reseller“ (z.B. 1&1, Vodafone, Congstar usw.) auf dem Markt, die aber nur die Leitung der Telekom anmieten und somit auch auf die Geschwindigkeitsvorgaben der Telekom angewiesen sind.

Da Epfenbach an der Vermittlungsstelle in Waibstadt angeschlossen ist, führt eine ca. 5 km lange Leitungsstrecke nach Epfenbach. Durch diese physikalischen Vorgaben sind in Epfenbach bei den meisten Bürgern 2 MBit als Maximalbandbreite vorhanden. Die Maximalwerte können in Einzelfällen zwischen 0,4 bis maximal 6 MBit je nach Gesamtkabellänge liegen.

Als Funklösung bietet die Telekom auch LTE an. Hierbei ist aber zu beachten, dass reine LTE-Verträge bei der Telekom volumenbasiert sind. Das bedeutet, dass nach Verbrauch eines gewissen Datenvolumens die Telekom die Geschwindigkeit auf 0,4 MBit drosselt.

Ebenfalls im Angebot hat die Telekom ein „Hybridangebot“, welches ein Zusammenschluss zwischen DSL-Leitung und LTE darstellt. Hierdurch bietet die Telekom „bis zu“ 16 MBit an. Leider ist diese Hybridlösung nicht in allen Teilen Epfenbachs buchbar. Zweiter Pferdefuß ist die Auslastung der LTE-Funkzelle. Da sich alle Hybridnutzer (und reine LTE-Kunden) die Funkzelle teilen müssen, kommt es zur Aufsplittung der Bandbreite für alle Kunden. Das bedeutet, dass während der Stoßzeiten (z.B. in den Abendstunden) der Internetnutzung von den „bis zu“ 16 MBit nur ein Bruchteil dessen ankommt.

Faktencheck: Entgegen mehrerer Gerüchte, die hier in Epfenbach kursieren, baut die Telekom ihr Netz in Epfenbach (auch im Jahr 2018) NICHT aus. Diese Aussage liegt dem Gemeinderat schriftlich vor. Das bedeutet, dass sich an der bisherigen Situation auch mittelfristig nichts ändern wird.

Wer also in absehbarer Zeit schnelleres Internet haben möchte, der muss in der Tat von der Telekom weg wechseln. 

 

Sachstand 2: Zweckverband „High-Speed-Netz Rhein-Neckar“ (fibernet.rn)

Der Zweckverband High-Speed-Netz Rhein Neckar wurde im November 2014 als Zusammenschluss aller 54 Gemeinden des Rhein-Neckar-Kreises sowie des Kreises gegründet. Initiator und Ideengeber dieses Zweckverbandes war unter anderem die Gemeinde Epfenbach, da hier frühzeitig erkannt wurde, dass kleine Gemeinden, wie Epfenbach, einen Ausbau des schnellen Internets nicht alleine stemmen, sondern nur im Zusammenschluss mit mehreren Gemeinden Verbesserungen erzielt werden können.

Nach der Gründung des Zweckverbandes ging es in die Planung des sogenannten „Backbones“, also der Glasfaserverbindung aller 54 Gemeinden untereinander. Hierzu ist die Verlegung von mehreren Hundert Kilometern Glasfaser von Nöten. Im Februar 2016 wurde eine Pilotstrecke von Eberbach nach Lobbach in Betrieb genommen.

Nach und nach begann dann der Zweckverband mit der Feinplanung der verschiedenen Cluster (Zusammenschlüsse mehrerer Gemeinden). So wurde die Feinplanung Epfenbachs im September 2016 nahezu abgeschlossen und im Frühjahr 2017 begann die Verlegung der Leerrohre für den „Backbone“, welcher von Reichartshausen kommend durch die Hauptstraße Epfenbachs verlaufend nach Neidenstein führt.

Anwohner entlang der Häuserseite dieser Backbonetrasse konnten bereits hier bei den Tiefbauarbeiten ein Leerrohr für einen Glasfaseranschluss mitverlegen lassen. Nahezu zeitgleich startete der Stromversorger SYNA in verschiedenen Teilen Epfenbachs mit dem Abbau der Strom-Dachständer und der Strom-Erdverkabelung. Auch hier wurden Leerrohre für einen Glasfaserausbau mitverlegt.

Der Gemeinderat hat in den Haushaltsberatungen 2017 den Vollausbau des Gewerbegebiets „Zuckerbaum“ mit Glasfaser (mit FTTB = Fiber to the building) in jedes Haus und den Ausbau der restlichen Gemeindeteile Epfenbachs mit FTTC (= Fiber to the curb) beschlossen.

Ein FTTC-Ausbau bedeutet, dass eine Glasfaserleitung an neun „Übergabepunkte“ (sogenannte MFGs = Multifunktionsgehäuse) gezogen wird. Von diesen aus geht es per „Kupferkabel“ bis zum Endkunden (= VDSL-Anschluss).

Dies ermöglicht Geschwindigkeiten von „bis zu“ 50 MBit, also je nach physikalischer Gegebenheit ca. 20 bis 25x schnelleres Internet als bisher.

Diese Art der Anbindung stellt zwar eine deutliche Verbesserung der Internetgeschwindigkeit dar, aber dennoch ist dies nur ein Zwischenschritt. Im Zuge der Backboneverlegung werden zwei dieser MFGs bereits angeschlossen, so dass als 2/9tel Epfenbachs (Ortskern und Wohngebiet Richtung Reichartshausen) in den Genuss dieser Geschwindigkeitserhöhung kommen können.

Die Verlegung des Backbones in Epfenbach ist laut Auskunft des Zweckverbands abgeschlossen. Zurzeit steht noch die technische Anbindung der beiden an der Backbonetrasse liegenden MFGs aus.

Die Vermarktung dieser VDSL-Anschlüsse übernimmt die „NetCom BW“ oder andere Provider, welche die Infrastruktur des Backbones und der Leitungen des Zweckverbands nutzen.

Das bedeutet auch hier: Wer einen solchen Anschluss möchte, muss den bisherigen Anbieter hin zur NetCom BW oder einem anderen Provider, welcher seine Dienste auf dem Netz des Zweckverbandes anbietet, wechseln. Hierzu müssen die Kündigungsfristen des bisherigen Anbieters beachtet werden. 

Wer also einen Altvertrag mit einer Laufzeit beispielsweise bis März 2019 hat, kann nicht vorher zur NetCom BW (oder BBV, siehe Sachstand 3) wechseln, auch wenn der Ausbau im Ort bereits abgeschlossen sein sollte!

In einem Zeitraum von ca. 10 Jahren sollen alle Häuser Epfenbachs dann einen Glasfaseranschluss bekommen. Dann, wenn nämlich von den MFGs aus das Glasfaser in jeden Haushalt verlegt wird. Ein solcher Ausbau ist langwierig und sehr teuer. Kostet dieses zehnjährige Vorhaben doch insgesamt mehrere Millionen Euro.

Faktencheck: In der Gemeinderatssitzung am 15. November 2017 informierte Bürgermeister Joachim Bösenecker, dass, entgegen der Aussage des Zweckverbands in der Gemeinderatssitzung am 18. Oktober 2017, Epfenbach nun doch in die Prioritätenliste 2018 mit aufgenommen wurde, so dass 2018 nicht nur ein FTTB-Ausbau des Gewerbegebiets erfolgt, sondern 2018 auch der FTTC-Ausbau Epfenbachs begonnen werden soll. Ebenso soll die Glasfaser-Anbindung der Grund- und Gemeinschaftsschule im Jahr 2018 mit aufgenommen werden. Ausbaubeginn soll im ersten Halbjahr 2018 sein. Das Datum der Inbetriebnahme lässt sich nach aktuellem Stand noch nicht endgültig abschätzen.
Primär verfolgt der Zweckverband aber den Ausbau und die Fertigstellung des Backbones für alle 54 Gemeinden. Danach sollen die Feinplanungen in allen Gemeinden des Rhein-Neckar-Kreises abgeschlossen werden, so dass in dessen Nachgang ab 2019 mit der FTTC-Versorgung der RNK-Gemeinden begonnen werden kann.

 

Sachstand 3: BBV Rhein-Neckar (Breitbandversorgung Rhein-Neckar)

Bereits im Frühjahr 2017 stellte sich die BBV Rhein-Neckar im Gemeinderat vor. Die BBV plant einen Vollausbau Epfenbachs mit Glasfaser (FTTB) für alle Einwohner in einem Zeitraum von ca. 9 bis 12 Monaten. Im Gegensatz zum Ausbau des Zweckverbands (siehe oben) kostet dieser Ausbau die Gemeinde Epfenbach keinen einzigen Cent und wird nicht über einen Zeitraum von 10 Jahren realisiert. Das bedeutet, dass jeder Bürger innerhalb kürzester Zeit einen reinen Glasfaseranschluss (FTTB) buchen kann und nicht schlimmstenfalls mehrere Jahre warten muss.

Die BBV bietet Glasfaseranschlüsse ab 100 MBit (bis aktuell 400 MBit für Privatkunden) an, auf Wunsch sogar für wenige Euro extra mit symmetrischer Anbindung, also z.B. 100 MBit Down- sowie 100 MBit Upload. Diese Art von Geschwindigkeit kann definitiv nur ein Glasfaseranschluss bieten. VDSL (wie im Fall des FTTC-Ausbaus gemeinsam mit dem Zweckverband) bietet diese Art von Geschwindigkeit nicht. Hier sind maximal 50/5 MBit (Download/Upload) vorgesehen. Preislich gesehen kostet solch ein 100 MBit-Anschluss bei der BBV vergleichbar viel wie ein VDSL-Anschluss bei der NetCom BW (oder einem anderen Provider, siehe Sachstand 2).

Darüber hinaus bietet ein Glasfaseranschluss auch einen Mehrwert für die eigene Immobilie. Das bedeutet, dass der Marktwert eines Hauses durch einen FTTB-Anschluss durchaus um einige Tausend Euro steigerbar ist.

Damit solch ein Vorhaben für die BBV (und deren Investoren) finanzierbar ist, muss hier vorab eine „Vorvermarktung“ gemacht werden. Dass die BBV ihren Ausbau überhaupt startet, benötigt sie eine gewisse Anzahl von „Vorverträgen“, also Bürgern, die vorab einen Glasfaseranschluss bei der BBV buchen.

Die benötigte Anzahl liegt laut Auskunft der BBV bei ca. 1/3 der Haushalte Epfenbachs (aktuell ca. 350 Vorverträge. Diese Zahl ist von der BBV noch unbestätigt und wird im Rahmen der Vorvermarktungsphase in Epfenbach festgelegt werden.).

Ein Vertrag mit der BBV kommt nur dann zustande, wenn die BBV auch in Epfenbach ausbaut. Im Einzelfall bedeutet dies, dass alle Kunden, die vorab einen Vorvertrag bei der BBV geschlossen haben und dann das nötig Quorum (1/3 der Anschlüsse) eben nicht erreicht wird, diese dann aus diesem Vertrag ohne Kosten und Risiko entlassen werden. Vorteil der Vorvermarktungsphase: Die BBV übernimmt im Falle eines Ausbaus die Hausanschlusskosten.

Bucht man während der Ausbauphase oder gar im Nachhinein nach Fertigstellung des Netzes einen FTTB-Anschluss werden von der BBV Hausanschlusskosten erhoben (aktuell 600 bis 900 EUR). Ein FTTB-Anschluss im Zuge des Ausbaus mit dem Zweckverband (und der NetCom BW, siehe Sachstand 2: Netcom-BW) kostet grundsätzlich „mehrere Hundert Euro“. Eine kostenlose Vorvermarktung gibt es hier nicht.

Die BBV hatte zunächst mit der Gemeinde Epfenbach einen Kooperationsvertrag geschlossen, welcher beinhaltete, dass die Gemeinde die BBV bei dem Vorhaben, Vorverträge abzuschließen unterstützt. Da dies von Seiten des Landes Baden-Württemberg (u.a. für die Vergabe von Fördergeldern für den Breitbandausbau verantwortlich) als „förderschädlich“ gesehen wurde, zog die BBV ihren Kooperationsvertrag zurück.

Eine Vorvermarktung der BBV in Epfenbach startet laut Auskunft von Herrn Bürgermeister Bösenecker im Frühjahr 2018, so dass bei positivem Ausgang, falls das Quorum erreicht wird, im Jahr 2018 bereits mit einem FTTB-Ausbau begonnen werden kann.

Faktencheck: Im November 2017 startete die BBV nun mit der Vorvermarktung von Glasfaseranschlüssen in Meckesheim. Auch hier benötigt die BBV ca. 1/3 der Haushalte, die einen Vorvertrag mit der BBV abschließen, so dass ein Ausbau in Meckesheim startet.

Aber auch Epfenbacher Bürger können laut Auskunft der BBV bereits jetzt im „Vor-Ort-Geschäft“ in Meckesheim einen Vorvertrag für Epfenbach abschließen, wenn sie vom Konzept der BBV überzeugt sind, da Epfenbach mit Eschelbronn, Meckesheim und weiteren Gemeinden ein „BBV-Cluster“ bilden.

Und auch hier gilt: Wer solch einen Glasfaseranschluss gerne haben möchte, muss seinen bisherigen Anbieter hin zur BBV wechseln, mit Einhaltung von Kündigungsfristen des alten Anbieters (siehe auch Sachstand 2: Zweckverband). Wie gesagt, dass gilt vorbehaltlich, dass die BBV auch wirklich in Epfenbach ihr Modell umsetzt und gesamt Epfenbach mit FTTB-Anschlüssen ausbaut. Daher sollte man einen solchen Schritt der Kündigung von Altverträgen des bisherigen Anbieters nicht voreilig und selbstständig unternehmen, sondern dies gemeinsam mit dem neuen Anbieter (in diesem Fall mit der BBV) machen.

 

Fazit: Für die Epfenbacher Bürgerinnen und Bürger stellen sich zurzeit 3 Szenarien dar und für eines muss man sich entscheiden. Ein zwei- oder mehrgleisiges Vorgehen ist so nicht möglich.

  • Bei der Telekom bleiben (und hoffen, dass diese irgendwann einen Ausbau in Epfenbach beginnt) – Ausgang ungewiss, aktueller Status.
  • Bei der NetCom BW einen VDSL-Anschluss (= Kupfertechnik) mit 50 MBit buchen, sobald der innerörtliche Ausbau der MFGs in Epfenbach abgeschlossen ist. Diejenigen, die direkt an der Backboneleitung liegen können auch bereits einen Glasfaseranschluss bei der NetCom BW buchen, sobald der Backbone in Betrieb ist und die Vermarktung der NetCom BW startet. Ebenso können die 2/9-tel Epfenbachs (Ortskern und Wohngebiet Richtung Reichartshausen) nach Fertigstellung der zwei MGFs an der Backbone-Leitung VDSL-Anschlüsse buchen können. Die Fertigstellung der restlichen Wohngebiete mit VDSL und das Gewerbegebiet „Zuckerbaum“ findet voraussichtlich im Spätjahr 2018, unter Umständen erst Anfang 2019 statt. Hierzu gibt es keine handfesten Zahlen. Wie gesagt: VDSL ist nicht identisch mit Glasfaser! Da ein fortführender Glasfaserausbau mit dem Zweckverband die Gemeinde viel Geld kostet, erfolgt dieser in Schritten und dauert ca. 10 Jahre. Bis also aus einem VDSL-Anschluss ein FTTB-Anschluss wird, vergehen unter Umständen mehrere Jahre.
  • Einen Vorvertrag mit der BBV abschließen, so dass das geforderte Quorum der Investoren der BBV erreicht wird. Wenn dies der Fall sein sollte und die BBV in Epfenbach ihr Glasfasernetz ausbaut, bekommt man einen FTTB-Glasfaseranschluss gemäß den Regularien, die im Vorvertrag abgeschlossen wurden (100 MBit aufwärts). Die Vorvermarktungsphase dauert ca. 3-4 Monate, danach fällt die Entscheidung, ob ausgebaut wird oder nicht. Eine feste Zeitangabe eines Ausbaubeginns liegt seitens der BBV nicht vor, soll aber laut mündlicher Aussage Ende 2018 erfolgen. Hier bringt eventuell der Start der Vorvermarktung in Epfenbach im Frühjahr 2018 Klarheit.
    Ab dem Start einer Vorvermarktung durch die BBV ruht die Förderung durch das Land Baden-Württemberg. Der geplante Ausbau (FTTC für gesamt Epfenbach, sowie FTTB für das Gewebegebiet/Schule) durch den Zweckverband wird im Auftrag der Gemeinde Epfenbach bis auf Weiteres fortgeführt.

 

Für den Gemeinderat
gez. Manfred Hafner, CDU
gez. Dirk Rosenzopf, FW Epfenbach
gez. Friedbert Ziegler, SPD


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